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Professorin Petra Grimm geht in den Ruhestand

Werte-Bezug prägt ihre Forschung und Lehre

Seit 1998 lehrt und forscht Prof. Dr. Petra Grimm an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Nun geht die Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin in den Ruhestand. Mit dem Institut für Digitale Ethik (IDE) hat Grimm die HdM um eine medien- und digitalethische Forschungseinrichtung bereichert, die direkt Pionierstatus erlangte.

Es ist das Ende einer Ära: Nach fast drei Jahrzehnten verlässt Prof. Dr. Petra Grimm die HdM. Dort hatte sie die Professur für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft im Studiengang Medienwirtschaft inne. „Ich habe die HdM in ihrer gesamten Entwicklung erleben dürfen, gesehen, wie sie wuchs und gedieh und bin dankbar, dass ich meinen Beitrag dazu leisten durfte“, sagt Grimm. Sie behalte die HdM als eine lebendige und breit aufgestellte Medienhochschule in Erinnerung, die sich durch einen engen Austausch zwischen Professorinnen, Professoren und den Studierenden auszeichne.

Prof. Dr. Petra Grimm mit den META-Preisträger:innen (Foto: Felicia Glas)

"Ein Glücksfall"

HdM-Rektor Prof. Dr. Boris Alexander Kühnle findet: „Petra Grimm war ein Glücksfall für unsere Hochschule und darüber hinaus. Mit Expertise und Klarheit hat sie das Thema der ethischen Implikationen digitaler Medien im gesellschaftlichen Diskurs sichtbar gemacht." Dabei habe sie kritisches Denken stets mit konstruktiver Praxis verbunden. “Die gemeinsam mit dem IDE-Team entwickelten zehn handlungsleitenden Gebote der KI stehen exemplarisch für ihr anwendungsorientiertes Wissenschaftsverständnis. Wir werden sie vermissen – und sind zugleich sicher, dass sie sich auch künftig engagiert und wirkungsvoll für ihr Thema einsetzen wird”, so Kühnle.

2014 gründete Petra Grimm mit Prof. Dr. Tobias Keber, dem aktuellen Landesdatenschutzbeauftragten, und Prof. Dr. Oliver Zöllner das seinerzeit bundesweit erste Institut für Digitale Ethik. Mit dem IDE bereicherte das Trio das Profil der HdM um eine medien- und digitalethische Forschungseinrichtung, die hohes Ansehen genießt. Am Anfang dieser Forschungsrichtung stand ein gemeinsames Symposium zur Informations- und Medienethik mit dem emeritierten Informationsethiker Prof. Dr. Rafael Capurro, das Prof. Dr. Petra Grimm 2001 als Ethikbeauftragte der HdM veranstaltete. „Das war der Nukleus, aus dem der gesamte medienethische Zweig an der HdM entstand“, erzählt Grimm. Zu diesem Zweig zählen die heutige Fachtagung IDEepolis und die erste medienethische Schriftenreihe überhaupt.

Prof. Dr. Petra Grimm gründete mit Prof. Dr. Tobias Keber (links) und Prof. Dr. Oliver Zöllner (rechts) das Institut für Digitale Ethik (Foto: Mitra Schmidt)

Fachübergreifende Zusammenarbeit

In Lehre und Forschung hat Petra Grimm stets Wert auf eine fakultäts- und fachübergreifende Zusammenarbeit gelegt. „Unsere Symposien waren von Anfang an von der Idee getragen, medienethische Fragen aus einer interdisziplinären Perspektive heraus zu behandeln“, so Grimm. „An dieser Maxime haben wir nie gerüttelt, und sie ist im Zeitalter von Sozialen Medien, Künstlicher Intelligenz und Robotik ergiebiger und wichtiger denn je.“ Auch der Medienethik-Award META, der im Rahmen der jährlichen IDE-Fachtagung für journalistische Beiträge mit besonderem ethischen Gehalt verliehen wird, entstand im Rahmen der Symposien. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von Studierenden ermittelt. Dazu zählen unter anderem Ranga Yogeshwar oder Jürgen Wiebicke. Für das Lehrformat META wurde Petra Grimm 2011 mit dem „Landeslehrpreis Baden-Württemberg“ ausgezeichnet.

Zentral für ihre Forschungsaktivitäten war der anwendungsorientierte Ansatz des „Ethics by Design“. Darin prägt ethische Begleitforschung jeden Schritt der Technologieentwicklungen. So kann sichergestellt werden, dass Konzeption, Implementierung und Anwendung von digitalen Technologien werte- und wertschöpfend geschieht. Angewandt wurde er unter anderem im Projekt „KoFFI“ zu autonomem Fahren, in „Digitaldialog21“ zu digitalen Möglichkeiten bei der demokratischen Bürgerbeteiligung oder in „GEISST“ zu KI-generierten Stimmen im Nachrichtenjournalismus.

Die heutige medienethische Fachtagung IDEpolis ging aus einen Symposium zur Informations- und Medienethik 2001 hervor (Foto: Kim Kunze)

Konkrete Handlungsempfehlungen

Was heute wie eine logische Entwicklung klingt, war in den Anfangsjahren alles andere als selbstverständlich. „Medienethischen Themen wurde damals kaum Bedeutung zugemessen“, berichtet Grimm. Der Zeitgeist habe sich eher gefragt, wozu man Ethik überhaupt braucht. „Ich komme aus der Mediensemiotik, weshalb für mich das Werte-Thema und übergeordnete mediengesellschaftliche Fragestellungen, etwa zur Digitalisierung der Gesellschaft oder zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, immer relevant waren“, so Grimm.

Sie erkannte früh, dass angesichts der aufkommenden Digitalisierung neue, breiter angelegte Ansätze verfolgt werden sollten, die auch digitale Lebenswelten aus ethischer und zuweilen pädagogischer Sicht reflektierten. Das vorrangige Ziel war stets, aus den Forschungsergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. So entstanden etwa medienpädagogische Tools für Heranwachsende wie ein Märchenbuch  mit dem Schülerinnen und Schüler für digitalethische Fragen sensibilisiert werden sollten, oder der „Privat-O-Mat“, ein digitalethisches Instrument, das Heranwachsende auf spielerische Weise auf Risiken im Datenschutz und der Privatsphäre im digitalen Raum aufmerksam machen sollte. „Uns war es immer wichtig, die Forschung auch für die lebensweltliche Praxis zu öffnen und damit auf eine eigentümliche Funktion der Ethik einzuzahlen: Gesellschaftlichen Gruppen Orientierungsanker für ihre tägliche Arbeit mit auf den Weg zu geben und sie für ethische Themen zu sensibilisieren“, erklärt Grimm.

Durch Kooperationen mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Universität Passau bot Grimm auch Promovierenden an der HdM eine Heimat. Im Promotionsverband der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) wird sie weiterhin Dissertationen betreuen. Auch ihre Mitgliedschaften in der Verbraucherkommission des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg oder der Fachgruppe „Kommunikations- und Medienethik“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) behält sie bei. In Vorträgen und Publikationen geht Petra Grimm weiter medienethischen Fragestellungen nach.

Der Medienethik-Preis META ist ein studentisches Projekt (Foto: Daniel Jordan)

Vita

Prof. Dr. Petra Grimm ist seit 1998 Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien (HdM). Sie ist Leiterin des Instituts für Digitale Ethik (IDE) und Ethikbeauftragte der Hochschule. Ihre Forschungsschwerpunkte sind „Digitalisierung der Gesellschaft“, „Ethik der KI und Robotik“, „Narrative Ethik“ und „Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen“. Hierzu hat sie zahlreiche Publikationen veröffentlicht und Forschungsprojekte durchgeführt. Ihr Lehrgebiet ist Digitale Ethik und Narrative Medienforschung in Master- und Bachelorstudiengängen. Petra Grimm ist Mitherausgeberin der Schriftenreihe Medienethik/Digitale Ethik und der Schriftenreihe Daten, Recht und Digitale Ethik. Sie ist unter anderem Mitglied im Promotionsverband der HAW Baden-Württemberg, der Deutschen Gesellschaft für Publizistik (Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik), im Kulturbeirat der Akademie Bad Boll sowie in der Verbraucherkommission Baden-Württemberg. An der HdM engagierte sie sich stets in den Selbstverwaltungsgremien - als Dekanin, Prodekanin, Senatsmitglied oder als Mitglied verschiedener Ausschüsse und Kommissionen.