Vom Hörsaal zum Metal-Karaoke
Pierre Seidel über seinen Beruf und die Entstehung des „Metal Karaoke Massacres“
Pierre Seidel, Absolvent und heutiger Lehrbeauftragter an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM), engagiert sich beruflich für die Förderung von Medienkompetenz in Baden-Württemberg. Gleichzeitig hat er mit dem „Metal Karaoke Massacre“ ein Veranstaltungsformat geschaffen, das inzwischen durch Deutschland tourt und in diesem Jahr bereits zum dritten Mal beim Wacken Open Air zu Gast ist.
Beruflich leitet Pierre Seidel die Geschäftsstelle von MedienFokus BW, die bei der MFG Baden-Württemberg angesiedelt ist. Die landesweite Initiative im Auftrag des Staatsministeriums Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, Medienkompetenz in allen Altersgruppen zu stärken und Menschen dabei zu unterstützen, digitale Medien kritisch zu hinterfragen und kreativ zu nutzen.
„Gerade in Zeiten von Desinformation, KI-generierten Inhalten und immer komplexeren digitalen Plattformen ist Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation“, sagt Seidel. Wer Medien verstehe, könne selbstbestimmter handeln und digitale Angebote besser einordnen.
Der HdM ist der Absolvent des Studiengangs Informationsmanagement (Dipl.) und Informationswirtschaft (M. Sc.) bis heute eng verbunden. Als Lehrbeauftragter gibt er seine Erfahrungen an Studierende weiter. Besonders schätzt er dabei den Austausch mit jungen Menschen: „Ich lerne in jedem Semester mindestens genauso viel wie die Studierenden. Das macht richtig Spaß und bringt mich auch persönlich weiter.“
Von der Idee zum Festivalformat
Neben seiner beruflichen Tätigkeit sorgt Seidel mit einem außergewöhnlichen Freizeitprojekt für Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Elmar Jäger gründete er 2022 das „Metal Karaoke Massacre“. Die Idee entstand aus der Frage, warum Karaoke zwar für Popmusik, kaum aber für Hardrock und Heavy Metal angeboten wird. Aus ersten Experimenten entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein regelmäßiges Veranstaltungsformat.
Heute können die Gäste aus mehr als 350 Metal- und Rocksongs ihren Wunschtitel über eine eigens für die Veranstaltung entwickelte App auf ihrem Smartphone auswählen. Mit etwas Glück stehen sie dann kurz danach selbst auf der Bühne. Wichtig ist den beiden Veranstaltern dabei nicht Perfektion oder Wettbewerb, sondern die gemeinsame Freude an der Musik. Mit Bühnenmoderation, Requisiten und der besonderen Gemeinschaft innerhalb der Metal-Szene entsteht eine Atmosphäre, in der sich alle Menschen ausprobieren können.
Inzwischen tourt das „Metal Karaoke Massacre“ durch Deutschland und ist in diesem Jahr bereits zum dritten Mal Teil des Programms beim Wacken Open Air.
Menschen ermutigen
Für Seidel verbinden seine berufliche Tätigkeit und das Metal-Karaoke mehr, als es zunächst scheint. In beiden Bereichen gehe es darum, Menschen zu ermutigen, Neues auszuprobieren und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. „Ob jemand einen medialen Beitrag erstellt oder vor 300 Menschen „Painkiller“ von Judas Priest singt – beides erfordert Mut und Selbstvertrauen. Und beides funktioniert am besten in einem Umfeld, das Offenheit, Respekt und Kreativität fördert“, sagt Seidel.
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