„Das Studium ist kein Wartesaal für das echte Leben“
HdM-Alumnus Adrian Thoma über Gründung, Rückschläge und den Weg zum internationalen Marktführer
Ein weißer Tisch, eine Kamera und zwei Hände, die ausgeschnittene Illustrationen ins Bild schieben – fast jeder kennt diese Art von Erklärvideos. Komplexe Inhalte werden dabei mit einfachen Zeichnungen verständlich gemacht. Diese sogenannten „Papierclips“ machten die Firma „simpleshow”, gegründet von HdM-Alumni, zum internationalen Marktführer.
„Wir wollten eigentlich Rockstars werden“, erzählt Adrian Thoma, der bis 2008 an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) Audiovisuelle Medien studierte. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Kai Blisch und Jens Schmelzle gründete er zunächst eine Medienagentur. „Der Plan war, damit ein Plattenlabel zu finanzieren. Klingt komisch – war aber wirklich so“, erzählt er weiter. Der entscheidende Impuls kam eher zufällig. Ein Kunde beauftragte die Agentur, ein kurzes, verständliches Erklärvideo für sein Produkt zu produzieren. Daraus entstand der allererste „Papierclip“ und schließlich die Firma „simpleshow“. „Der konkrete Wunsch zu gründen, war also eher diffus. Die Idee hat sich aus dem Tun heraus entwickelt. Das prägt mich bis heute“, so Thoma.
Simpleshow entwickelte sich zum internationalen Marktführer für die Produktion von Erklärvideos. Nach fünf Jahren verkauften die ehemaligen Kommilitonen das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden auf drei Kontinenten.
Lernen durch Scheitern
Nach dem Verkauf von „simpleshow” gründete Adrian Thoma ein zweites Start-up und scheitert. „Das war eine harte, aber unglaublich wertvolle Schule“, sagt er rückblickend. Mit „Sellaround“ entwickelte er eine Social Commerce-Plattform für den Ver- und Wiederverkauf im Social Web. Das Problem war der fehlende „Produkt-Market-Fit“ – das Produkt traf beim Start noch nicht die Bedürfnisse der Nutzenden. „Wenn man mit simpleshow im Rücken startet, kommt man mit einem gewissen Selbstvertrauen“, erklärt er. „Aber die Grundregel gilt immer: Erst wenn Nutzer dein Produkt brauchen und lieben, darf man aufs Gaspedal treten. Diese Erfahrung hat mich demütiger gemacht – und vielleicht auch zu einem besseren Investor und Mentor.“
Netzwerk als Schlüssel
Schon im Studium lernte Adrian Thoma, projektorientiert und interdisziplinär zu arbeiten. „Die HdM war im Grunde meine unternehmerische Ausbildung. Man lernt dort nicht nur Theorie, sondern wie man gemeinsam etwas auf die Beine stellt“, sagt er. Entscheidend war für ihn vor allem das Netzwerk, das ihn direkt in die erste erfolgreiche Gründung führte. „Ich kann das also kaum überschätzen“, so Thoma. Heute seien die Möglichkeiten, eigene Ideen umzusetzen noch viel größer. Gründungsprogramme, Networking-Events und Mentoring existieren in großer Auswahl und Qualität. „Viele Studierende unterschätzen, wie viel sie während ihrem Studium schon aufbauen können. Nicht nur Wissen, sondern Beziehungen und erste unternehmerische Erfahrungen,“ findet Thoma. Sein Rat: „Das Studium ist kein Wartesaal für das echte Leben. Es ist das echte Leben – fangt an, es so zu nutzen.“
Brücken bauen zwischen Wirtschaft und Innovation
Heute ist Adrian Thoma Managing Director der NXTGN Startup Factory, zu der auch die HdM gehört. NXTGN zählt zu den führenden Start-up-Hubs Europas und agiert als Innovationsplattform an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dort verantwortet Thoma die Partnerseite und bringt Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen, Investoren und Politik an einen Tisch.
„Ich bin überzeugt, dass wir dringend neue Start-ups und echte Open Innovation brauchen, um unsere Wirtschaft zu transformieren“, sagt er. Seine Aufgabe sieht er darin, das dafür notwendige Ökosystem zu gestalten und die richtigen Akteurinnen und Akteure miteinander zu vernetzen. Seine Motivation: „Ich glaube fest daran, dass wir ein Wirtschaftswunder 2.0 brauchen, und das wird nicht von Konzernen alleine kommen, sondern von mutigen Gründerinnen und Gründern“. Persönlich begeistert ihn dabei, Menschen beim Wachsen zu begleiten.
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