Skip to main content Skip to page footer

Literarisches Erbe bewahren und neue Geschichten schaffen

Alumni

HdM-Alumna Elli Unruh über ihre Arbeit als Bibliothekarin und die Nominierung ihres Debütromans für den Preis der Leipziger Buchmesse

Vom Studium an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) bis zur Nominierung für einen der wichtigsten Literaturpreise Deutschlands: Elli Unruh verbindet ihre Leidenschaft für Literatur auf zwei Arten. Als Bibliothekarin im Deutschen Literaturarchiv Marbach bewahrt sie literarisches Erbe, als Autorin schafft sie neue Geschichten.

„Das Schreiben und mein Interesse für Literatur haben mich überhaupt erst zum Studiengang gebracht“: Elli Unruh startete 2011 ihren Bachelor in Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HdM und schloss 2014 den Master in Print und Publishing an. Sie wollte Bibliothekarin werden – eine Studienexkursion ins Deutsche Literaturarchiv Marbach führte sie zu ihrem heutigen Arbeitgeber. Dass sie eines Tages selbst als Autorin erfolgreich sein würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. 

Autorin Elli Unruh bei einer Lesung Autorin Elli Unruh bei einer Lesung Autorin Elli Unruh bei einer Lesung
Im Februar 2026 wurde Elli Unruh mit ihrem Debütroman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert (Foto: Sabine Hopp)

Ein klares „Ja“ zur eigenen Stimme

Mit ihrem Debütroman „Fische im Trüben“, der das unterdrückte Leben einer deutsch-mennonitischen Familie im südkasachischen Grenzgebiet zur Sowjetunion in den 1970er und 1980er Jahren erzählt, traf Elli Unruh einen Nerv bei Leser:innen und Kritiker:innen. Die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 kam für sie dennoch überraschend. „Das Buch hat zwar seine Leserschaft gefunden und wurde gut rezensiert, aber bei Weitem nicht in einem Ausmaß, das uns auch nur ahnen ließ“, sagt sie. Lange Zeit schrieb Unruh vor allem autobiografisch geprägt, ohne den Anspruch, ein größeres Publikum zu erreichen. „Es war vor dem Buch einfach ein großes, verantwortungsloses Privatvergnügen“, erzählt sie.

Umso bedeutender war der Erfolg ihres Romans. Bereits die Zusage eines Verlags habe ihr gezeigt, dass ihre Geschichte auch für andere interessant sein könnte. Die Nominierung sei schließlich die Bestätigung gewesen, dass ihre Art zu erzählen und ihre Gedanken nicht nur nachvollziehbar seien, sondern auch geschätzt werden. 

Eine Familiengeschichte zwischen Erinnerung und Identität

„Die Vorstellung, ein Buch zu schreiben, war immer da“, erzählt sie. Viele Elemente ihres Romans „Fische im Trüben“ reichen weit zurück. Grundlage sind dabei die Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern, die sich mit ihren eigenen Gedanken und Erinnerungen verweben. So entstand eine literarische Auseinandersetzung mit Fragen wie: Woher kommen wir? Was prägt unsere Identität? Wie bewegen wir uns zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung?

Der Schreibprozess brachte auch Herausforderungen mit sich. Denn obwohl der Roman fiktionalisiert ist, bleibt die Nähe zur eigenen Familiengeschichte spürbar. „Es war mir wichtig, niemanden bloßzustellen, gleichzeitig wollte ich niemanden überhöhen. Aber auch persönlich war der Schreibprozess eine Hürde: „Die größte Herausforderung lag wohl in der ständigen Überwindung der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten“, so Elli Unruh.

Portrait schwarz-weiß der Autorin Elli Unruh Portrait schwarz-weiß der Autorin Elli Unruh Portrait schwarz-weiß der Autorin Elli Unruh
Schreiben zwischen Mut und Verantwortung: Für ihren Roman „Fische im Trüben“ verarbeitete Elli Unruh Erinnerungen und Familiengeschichten – eine Aufgabe, der sie sich mit großer Sensibilität stellt (Foto: Paul Boxberger)

Den eigenen Interessen folgen

Heute verbindet Elli Unruh in ihrem Berufsleben zwei Leidenschaften: Literatur zu bewahren und Literatur zu schaffen. Als Bibliothekarin katalogisiert sie Werke, recherchiert nach den Spuren früherer Besitzer:innen und berät Besuchende an der Auskunftstheke. Damit sorgt sie dafür, dass Geschichten erhalten bleiben. Als Autorin schafft sie selbst Geschichten und eröffnet neue Perspektiven. Aus ihren eigenen Erfahrungen heraus rät Unruh ihrem jüngeren Ich und anderen Studierenden, Praktika zu machen und die Wahl des Studienschwerpunkts an den persönlichen Interessen auszurichten. Das hat sich für sie ausgezahlt.

Autor/in

Taya Wieland