Medienethik-Award META 2025/26 für Adrian Pohr und Bartholomäus Laffert
Studierende zeichnen wertevermittelnden Journalismus aus
Studierende der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) haben die Journalisten Adrian Pohr und Bartholomäus Laffert am 17. Juni 2027 mit dem diesjährigen Medienethik-Award META ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich für herausragende journalistische Beiträge vergeben, die ethische Grundsätze berücksichtigen sowie Werte transportieren. Dieses Jahr wurde der META in den Kategorien TV und Audio ausgelobt.
Adrian Pohr wurde für seine ARTE-Dokumentation „Welche Macht hat Desinformation?”, Bartholomäus Laffert für seinen SWR-Hörfunkbeitrag „Grüne Intelligenz – Wie KI nachhaltig werden kann“ mit dem META 2025/26 ausgezeichnet. Die Journalisten nahmen den Preis im Rahmen der Fachtagung IDEepolis an der HdM in Stuttgart entgegen.
Über 1200 Beiträge gesichtet
Für den META 2025/26 wertete eine Jury aus insgesamt 51 Studierenden des Studiengangs Digital- und Medienwirtschaft über zwei Semester Beiträge zum Thema „KI-Transformationen“ aus. In den Beobachtungszeiträumen von Januar 2025 bis September 2025 (TV) und von September 2025 bis März 2026 (Audio) untersuchten sie insgesamt 1.239 Einzelbeiträge und wählten in der Endrunde aus elf TV- und neun Audio-Beiträgen die beiden Gewinner aus.
„Genauer hinsehen, bewusster prüfen, Verantwortung übernehmen“
In der Kategorie TV nahm Adrian Pohr den Preis für seine Dokumentation „Welche Macht hat Desinformation?" entgegen, die am 6. Juli 2025 in der Reihe „42 – die Antwort auf fast alles“ bei ARTE lief. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie Deepfakes, Fake News und KI-generierte Inhalte die Grenze zwischen Fakten und Manipulationen verschwimmen lassen und welche Folgen dies für Gesellschaft und Demokratie hat. Nach Ansicht der Jury gelingt es dem Regisseur in herausragender Weise die gesellschaftlichen Folgen der Desinformation in den Fokus zu rücken. Er mache anhand deutlich, dass Wahrheit, Vertrauen, Selbstbestimmung, Zusammenhalt und demokratische Teilhabe auf dem Spiel stünden und die Gesellschaft handeln müsse. „Wir sind also alle aufgefordert, im Zeitalter der KI genauer hinzusehen, bewusster zu prüfen und Verantwortung zu übernehmen“, so die Laudatorin Ivona Cvjetkovic.
„Tiefe ethische und gesellschaftliche Relevanz“
In der Kategorie Audio überzeugte Bartholomäus Laffert mit seinem Beitrag „Grüne Intelligenz – Wie KI nachhaltig werden kann“, die in der Sendereihe „Das Wissen“ (SWR Kultur) am 7. Februar 2026 ausgestrahlt wurde. Er behandelt die Umweltfolgen der Künstlichen Intelligenz und stellt Lösungsmöglichkeiten vor, KI klimafreundlicher und nachhaltiger einzusetzen. Die Jury lobte seine außerordentliche und umfassende Aufklärungsarbeit über den Ressourcenverbrauch und die Grenzen der aktuellen Regulierungen. Sie hob hervor, dass der Autor echte Lösungsvorschläge für einen verantwortungsvollen und Ressourcen schonenden KI-Einsatz aufzeigt. „Genau hier wird die tiefe ethische und gesellschaftliche Relevanz des Beitrags unmissverständlich deutlich, die für uns als META-Jury so zentral ist“, so Laudator Can Bilici.
Qualitätssiegel und Digitalkompetenz
Der META will als Qualitätssiegel für wertebewussten und ethischen Journalismus Medienschaffende und die Gesellschaft für ethische Fragestellungen sensibilisieren. Der Preis möchte damit Positivbeispiele eines wertevermittelnden Journalismus hervorheben. „In einer Zeit der massiven Umbrüche im Journalismus ist das META-Projekt für Studierende besonders wichtig. Sie lernen, Qualität von Medieninhalten zu erkennen und zu schätzen. Das ist im Umfeld von Desinformation ein wichtiger Baustein, um digital mündig zu werden. Sie vertiefen ihr Wissen über die Auswirkungen der KI-Transformationen auf unser Denken, Lernen, Arbeiten, Kommunizieren sowie unsere Handlungsfähigkeit. Dabei lernen sie zugleich, ethische Fragestellungen und die Rolle der medialen Berichterstattung zu reflektieren”, erklärt Prof. Dr. Petra Grimm, die den META ins Leben gerufen hat.
Lange Tradition
Seit 2003 verleiht eine studentische Jury den META. Die „MediaCharta“, ein eigens für die Auszeichnung entwickelter Kriterienkatalog, bildet die Bewertungsgrundlage, anhand derer die journalistischen Beiträge bewertet und schließlich die Gewinner gekürt werden. Der META wird dieses Jahr zum 22. Mal verliehen. 2011 wurde Petra Grimm für dieses Projekt mit dem baden-württembergischen Landeslehrpreis ausgezeichnet.
Auf der Veranstaltung wurde Petra Grimms herausragendes Engagement für das Institut für Digitale Ethik (IDE) und den META gewürdigt. Mit ihrem Ruhestand hat ab dem Sommersemester 2026 ihr Kollege Prof. Dr. Oliver Zöllner die Organisation und Verleihung des META übernommen, der an der Hochschule der Medien zugleich eine Lehrveranstaltung ist. „Ich freue mich außerordentlich, diesen Preis weiterzuführen – gerade in Zeiten, in denen Qualitätsjournalismus zunehmend schwierig zu finanzieren ist und ein medienethisches Bewusstsein in der Gesellschaft oft nicht relevant erscheint“, sagt Zöllner. Er hat mit Petra Grimm 2014 das Institut für Digitale Ethik gegründet und mit ihr seit 2009 die jährlichen IDEepolis-Tagungen organisiert. „In der Gegenwart der Künstlichen Intelligenz ist eine Vermittlung von Wertekompetenz wichtig wie selten zuvor.“