Lösungsansätze zur Förderung emotionaler Gesundheit
HdM-Studierende forschen zur Weiterentwicklung der App „wefeel“
Schritte zählen, Aktivitätsringe schließen und den Schlaf analysieren. Apps für körperliche Fitness gehören längst zum Alltag vieler Menschen. Doch während hier der Fokus auf dem Training des Körpers liegt, erhält die emotionale Fitness kaum Aufmerksamkeit. Das HdM-Start-up wefeel (zuvor: Kindori) möchte emotionaler Fitness denselben Stellenwert wie körperlicher Fitness verschaffen.
Mit Workshops, Online-Kursen und einer App schafft die Gründerin Katharina Schäfer mit ihren Teamkolleg:innen Luca Wehner und Aditi Joshi Werkzeuge, um die eigenen Emotionen besser kennen- und regulieren zu lernen. Ziel ist es, emotionale Gesundheit präventiv zu stärken, noch bevor Therapie-Bedarf besteht. In den vergangenen zwei Semestern forschten Studierende der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) im Rahmen von zwei Lehrveranstaltungen gemeinsam mit dem Start-up zur Weiterentwicklung der App “wefeel“. Unter anderem untersuchten sie, wie Nutzende die bestehenden Funktionen erleben und welche neuen Funktionen künftig implementiert werden können.
Beteiligt waren Studierende der Studiengänge Informationsdesign, Medien- und Wirtschaftspsychologie, Online-Medien-Management sowie Austauschstudierende aus Israel, den Niederlanden und Singapur.
„Die Erkenntnisse der Gruppen haben unsere Annahmen bestätigt und offene Fragen geklärt. Die Abschlusspräsentationen haben uns viel Klarheit gebracht. Das wird für uns in der Weiterentwicklung der App sehr hilfreich sein”, sagt Katharina Schäfer, Gründerin von wefeel.
KI-gestützte Chatbots versus klassische Reflexionsübungen
Welche Tools helfen dabei, besser mit den eigenen Emotionen umzugehen? Im Wintersemester 2025/2026 untersuchten die Studierenden, wie Menschen lernen können, ihre Emotionen durch gezielte Übungen besser zu regulieren. In einer experimentellen Studie verglichen sie einen KI-gestützten Chatbot mit einem klassischen Reflexions-Worksheet. Ziel war es herauszufinden, welche Methode Nutzende wirksamer unterstützt.
„In enger Zusammenarbeit mit wefeel haben wir das Studiendesign konzipiert und den Chatbot entwickelt“, erzählt Jana Kienzle, Studentin der Medien- und Wirtschaftspsychologie. Schnell erkannte sie, wie viele Entscheidungen gemeinsam getroffen, unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt und Ideen immer wieder kritisch hinterfragt werden müssen. „Das hat den Forschungsprozess zwar manchmal anspruchsvoller gemacht, gleichzeitig aber auch deutlich realistischer und greifbarer,“ so Kienzle.
Studierenden-Teams entwickeln neue Perspektiven
Im Sommersemester 2026 analysierte ein Projektteam mithilfe von User-Tests, der Methode des „Lauten Denkens“ und anschließenden Interviews die Usability und User Experience der wefeel-App. Dabei standen die Untersuchung eines Check-in-Features zur Einordnung des eigenen emotionalen Zustands sowie Übungen zur Emotionsregulation im Mittelpunkt. Die Studierenden identifizierten zentrale Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung, die sie dem Start-up vorstellten.
Community-Challenges zur Förderung emotionaler Fitness
Ein zweites Projektteam entwickelte gemeinsam mit potenziellen Nutzenden neue Ideen für Community-Funktionen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie gemeinsame Challenges zur Förderung emotionaler Gesundheit sinnvoll in die App integriert werden können, ohne toxische Dynamiken zu fördern. In partizipativen Workshops erarbeiteten die Studierenden mit den Nutzenden Anforderungen, priorisierten Funktionen und entwickelten erste Konzepte für soziale Interaktionen innerhalb der App.
„Wir hatten sehr viele Ergebnisse. Darin dann Muster zu erkennen, war herausfordernd. Wir wollten wissen, wie die Interaktion und Motivation mit der App auf gesunde Art und Weise gefördert werden kann“, beschreibt Ayana Rudminat, Informationsdesign-Studentin. „Dabei bringt die Zusammenarbeit mit einem realen Praxispartner zusätzliche Motivation. Wir haben gemerkt, dass unsere Ergebnisse wirklich auch genutzt werden.“
Über die Lehrveranstaltungen
Die Forschungsaktivitäten fanden im Rahmen der Module „Angewandte Medienpsychologie Workshop“ und „Fachspezifisches Projekt Psychologie“ statt und wurden von Prof. Dr. Yvonne Kammerer, Studiendekanin des Studiengangs Medien- und Wirtschaftspsychologie, betreut. Ziel des Moduls „Angewandte Medienpsychologie Workshops“ ist es, Kompetenzen in der Planung, Durchführung und Auswertung medienpsychologischer Experimente anhand realistischer Anwendungsszenarien zu erwerben. Im Modul „Fachspezifisches Projekt Psychologie“ arbeiten Studierendenteams an komplexen Problemstellungen aus dem Bereich der Medien- und Wirtschaftspsychologie und entwickeln praxisorientierte Lösungsansätze.
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